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Projekt Ringeltaube
   

Landsberg am Lech, 40 km entfernt von München, ist eine idylische oberbayerische Kleinstadt. Nichts erinnert an das Grauen, das sich hier in der Endphase des Dritten Reiches abspielte. Am Ort, wo Hitler sein Buch "Mein Kampf" schrieb, war auf einer Dimension von 300 Quadratkilometern das größte Nazi-Rüstungsunternehmen geplant. Unterirdisch sollten unter dem Decknamen "Projekt Ringeltaube" Flugzeuge produziert wreden; Auftraggeber waren ausschließlich bayerische Großfirmen. Da die Deutschen an der Front zu tun hatten, mussten KZ-Häftlinge und ausländische Zwangsarbeiter aus "Feindstaaten" zum zivilen Kriegsdienst antreten: 28 838 jüdische Männer, Frauen und Kinder hatten unter erbärmlichsten Bedingungen Sklavenarbeit zu leisten. Es herrschte Hunger, Krankheiten und Terror, viele überlebten die Schikanen nicht und die übrigen wurden zum Großteil kurz vor der Befreiung am 27. April 1945 noch zusammengepfercht und verbrannt.

Die Bevölkerung will nichts von ihrer braunen Vergangenheit wissen oder ist sogar deutsch-national eingestellt. In einem Bauernhof, 50 Meter vom ehemaligen Arbeitslager entfernt gibt es sogar ein privates Nazi-Devotionalien-Museum. Nur einer will nicht vergessen: der Geschichtslehrer Anton Posset. Seit 1982 widmet er sein Leben der Rekonstruktion der historischen Orte und der Erinnerung an die Opfer und Täter von damals. Zwar wurden er und seine Schulklasse eines Geschichtswettbewerbs vom Bundespräsidenten einmal ausgezeichnet, aber in der Heimatstadt erntet Posset für sein Engagement nur Hass und Aggression: Drohungen, Schmähbriefe und Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Seine einzigen Verbündeten: ehemalige Opfer, die jüdische Gemeinde und der von ihm gegründete Verein "Landsberg im 20. Jahrhundert". 1990 erhielt er in Israel die höchste Auszeichnung, den Yad Vashem-Preis.